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Historie
 

1977 - 1986

Im März 1977 war es dann soweit. Die Jugendtanzgruppe des Klubhauses der Erdgasarbeiter "Wilhelm Pieck" wurde gegründet. Wie am Namen ersichtlich, trainierten sie im "Grauen Wilhelm".

Aus der Tanzgruppe des Pionierhauses (das ehemalige Lyzeum), die M. Franke natürlich weiterhin unterrichtete, zog sie den Nachwuchs für die Jugendgruppe. Es wurden neue Kostüme nach altmärkischer Trachtenvorlage geschneidert, die auch den größeren Mädchen und Jungen passten. Vieles erledigte M. Franke selbst. Einiges übernahmen die PGH Modewerkstädten in der Burgstraße. Jetzt schossen die neuen Tänze nur so auf die Tanzpaare nieder (Schimmelreiter, Die Maske, Troika,...). Die ersten Auftritte waren innerhalb des damaligen Kreises Salzwedel und in den Nachbarkreisen.

Margarete Franke und Thomas Ansgar Müller

Der eigentliche Aufschwung für unsere Tanzgruppe kam 1981 mit der Teilnahme an den Tagen der Gastronomie des Bezirkes Magdeburg im "Palast der Republik" in Berlin.<br><br> Von dort an gab es viele Auftritte, die von zentraler Stelle aus geplant und "befohlen" wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurde manchmal sogar 2-3 mal pro Woche trainiert, was übrigens vor allen größeren Veranstaltungen üblich war und auch immer noch ist. Die PGH Modewerkstätten schneiderten fleißig neue Kostüme und weiter Tänze wurden einstudiert (Schmetterlingspolka, Schwedisch-Schottisch, Polka-Mazurka, Lauschaer Galopp, u.a.m.).

1983 war ein erfolgreiches Jahr für unsere Tanzgruppe.

Es war das Jahr der 750-Jahr-Feier Salzwedels. Es gab zwar keinen Auftritt für uns, aber wir gestalteten einen Teil des großen, farbenprächtigen Umzugs am 12.06.1983. Zwei Wochen später fuhren wir zur 750-Jahr-Feier nach Blankenburg und einen Tag später nach Leipzig zu einer Großveranstaltung des Zentralrates der FDJ, was zu damaliger Zeit schon als eine besondere Auszeichnung galt. Zusammen mit uns unterwegs: der Singeklub "Maxim Gorki" unter der Leitung von Bernd Krause. Es gab zu jener Zeit eine enge Zusammenarbeit beider "Volkskunstkollektive". Gemeinsam fuhren wir dann im November 1983 wieder nach Berlin in den "Palazzo Prozzo", wie er im Volksmund genannt wurde. Diesmal waren die Tage der Volkskunst des Bezirkes Magdeburg der Anlass. An drei Tagen zeigten wir unsere altmärkische Folklore und begeisterten die Zuschauer. Sogar bei der Gala im großen Saal waren wir mit dabei. In jenem Jahr gab es einen der ersten Fernsehauftritte unserer Gruppe. In der Sendung "Auf Schusters Rappen", die verschiedene Regionen der damaligen DDR mit ihren Sitten, Bräuchen und Sehenswürdigkeiten vorstellte, wirkten wir bei einem großen, altmärkischen Hochzeitszug in Abbendorf mit, und durften im Burggarten noch 2 Tänze darbieten.

Filmaufnahmen „Auf Schusters Rappen“

Im Jahr 1984 war das Fernsehen wieder da. Aber diesmal kam die ARD. Im Dezember drehten sie in Salzwedel eine Reportage für die Reihe "Deutsches aus der anderen Republik", die kurz vor Weihnachten gesendet wurde. Der damalige ARD-Korrespondent in der DDR Wolfgang Klein, heute Frontmann bei den PRO7-Nachrichten, besuchte mit seinem Team den Salzwedeler Weihnachtsmarkt. Es war das erste und letzte Mal, dass wir im Dezember vor dem Rathausturm getanzt haben. Zum Glück gab es genügend wärmende Getränke.

Einen Tag später filmten sie während unseres Trainings im Kulturhaus und sprachen danach mit uns über unsere Zukunftspläne. Natürlich wurden die Fragen vorher von dem zuständigen Parteiorgan der SED zensiert, damit wir einfache und ungefährliche Antworten geben konnten. Ansonsten verlief das Jahr 1984 relativ normal. Ein paar Auftritte in der Region um Salzwedel, ein paar Größere in Magdeburg und Halberstadt. Und natürlich nicht zu vergessen: die Fernsehaufnahme mit Katja Ebstein im Freilichtmuseum Diesdorf für eine westdeutsche Filmagentur, die im Auftrag der ARD mehrere Teile einer Tour durch die damalige DDR drehte. Und! 1984 war das Jahr, indem wir fieberhaft nach einen Namen für unsere Tanzgruppe suchten. Mit dem Vorschlag von M. Franke waren wir alle sofort einverstanden, denn es handelte sich um den Tanzschritt der Altmark. Endlich hatten wir einen Namen: "Tanzgruppe Fitschebeen".

1985 kamen die nun inzwischen üblichen Auftritte: Anfang des Jahres die Karnevalsveranstaltungen des ECC 77, bei denen wir seit Anfang der 80er Jahre aktives Mitglied sind, die Frauentagsfeiern am 08.März, im April und Mai tanzten wir auf Jugendweihen, Teilnahme am Marschumzug des 01. Mai, usw. Wir hatten natürlich bei allen Auftritten jede Menge Spaß, was sich bis dato selbstverständlich nicht im geringsten geändert hat. Einmal zum Beispiel, während der Feierstunde einer Jugendweihe tanzten zwei Solopaare "Polka-Mazurka". Dabei wurden sie vom Konzertorchester Salzwedel begleitet, das an diesem Tag voller "Spieldrang" war. Denn während die Paare nach der Schlusshebung auf den Walzerteil mit dem entsprechenden Schlussakkord warteten, spielte das Orchester voller Begeisterung weiter und weiter. Erst nach fünf oder sechs zusätzlich gewalzten Runden, konnten die Tänzer Blickkontakt mit dem Dirigenten herstellen und mit unverkennbarer Mimik und Gestik das Ende des Tanzes fordern. Ja, Auftritte mit Live-Musik sollte es noch viele geben.

Im Frühjahr '85 gab es eine überraschende und ebenso erfreuliche Nachricht. Das ARD-Team um Wolfgang Klein lud 2 Mädchen und 1 Jungen von unserer Tanzgruppe vom 16.06. bis 02.07. zu einer Radtour durch die Altmark ein, die als 45-Minuten-Film im August 1985 im III. Programm der ARD ausgestrahlt wurde. Von Feine Sache ging es quer durch unsere schöne, alte Mark: Poppau - Mittelpunkt der Welt -, Moto-Cross in Altmersleben (in strömenden Regen), Mahn-und Gedenkstätte Isenschnibbe, Freilichtmuseum Diesdorf und natürlich einige sehenswerte Ecken in unserer schönen, alten Hansestadt Salzwedel. Wir hatten ständig einen "Begleiter" vom Rat des Kreises an unserer Seite, der genau darauf aufpasste, was wir sagten und nicht eine einzige Coca-Cola-Dose annahmen. Trotzdem hatten wir mit dem gesamten Team jede Menge Spaß bei den Dreharbeiten. Und die 200 DM die jeder heimlich zugesteckt bekam, war ein kleines Vermögen für uns.

1986 war das Jahr der Arbeiterfestspiele - eine der größten Veranstaltungen in der damaligen DDR -, die damals im Bezirk Magdeburg stattfanden. Wir waren damals schon so bekannt, dass man uns im Eröffnungsprogramm und im Bauerensemble, das sich aus verschiedenen Gruppen des Bezirkes zusammensetzte, mitwirken ließ. Beide Programme wurden mit der Goldmedaille der Arbeiterfestspiele ausgezeichnet.

Ja, das war etwas, worauf wir stolz sein konnten und was sich von den anderen Auszeichnungen und Anerkennungen, wie z.B. Hervorragendes Volkskunstkollektiv, Ausgezeichnet Volkskunstkollektiv, usw., hervorhob. Der Erntetanz und der Bohnenpott (mit 12 Paaren getanzt) waren fester Bestandteil unseres damaligen Repertoires. Es gab natürlich viele Probleme im Vorfeld. Die legendärste war wohl die in Halberstadt, bei der unser Ralf Michalowski im Orchestergraben gelandet war, weil er das Bühnenende "verpasst" hatte. Zum Glück hatte er sich kaum verletzt, denn er fiel zwischen zwei Stühle.

Tanz „Bohnenpott“